Hans Otto Kasper über die Lage in Rumänien

Die Situation in Rumänien sieht schlecht aus, auch wenn man sie mit den anderen Oststaaten vergleicht. Die Fabriken sind meistens geschlossen worden, der rumänische Traktor wird nun in Indien noch gebaut, die Lastkraftwagen werden nicht mehr gebaut, dann Kugellager, Elektromotoren, landwirtschaftliche Maschinen werden nicht mehr in den alten Fabriken hergestellt. In Zeiden gab es eine große Farbenfabrik, nun ist dort ein Schutthaufen auf mehreren Hektaren. In Rosenau gab es eine chemische Fabrik, die wurde abgerissen. Die Ziegelfabrik in Neustadt ist ein Schutthaufen. Die vielen Gewächshäuser aus Zeiden wurden abgerissen und als Alteisen verkauft. Diese leeren Plätze nun sind noch Andenken für viele Arbeiter an bessere Zeiten noch bei Ceausescu.
Viele Jugendlichen gehen noch fleißig in die Schule und hoffen einmal etwas zu schaffen. Nach der Schule laufen sie auf den Straßen ohne Arbeit zu bekommen herum. Selten bekommt einer eine Arbeit, und das meist über einen unehrlichen Kontakt. Wenige Firmen kommen nach Rumänien aus dem Ausland, wegen der Korruption, das soll aber nun mit dem neuen Präsidenten, der ein Sachse ist anders werden. Und es scheint dass es anders wird, weil schon tausende von solchen koruppten Menschen an den richtigen Ort gekommen sind. Ein normaler Lohn ist bei 200 Euro, wobei die Preise von den Lebensmitteln und vom Benzin und Diesel teurer sind wie in Deutschland. Sozialhilfe ist 50 Euro und Kindergeld fünf Euro pro Kind im Monat. Wenn man dann noch zum Arzt gehen muß und ja Schmiergeld geben muß, weil man sonst nicht ankommt, dann ist man ganz verloren. Die älteren Leute laufen mit kapputen Zähnen herum, weil sie die Sanierung beim Zahnarzt nicht bezahlen können. Viele Frauen haben überhaupt keine Zähne mehr, nur noch die Wurzeln von den Zähnen.

Gestern habe ich noch Hilfsgüter an einen Ort in Zeiden gebracht, wo in einem Hochhaus 20 Familien wohnen. Weil sie das Wasser nicht bezahlen konnten, hat man ihnen die Wasserzufuhr versagt. Sie holen Wasser von Freunden und Verwandten und waschen ihre Wäsche auch dort. Auch für die Toilletten haben sie kein Wasser und das Problem wird auch nicht gelöst werden, weil da viele Schulden beim Wasser sind. Die Wasserversorgung will das Geld, bis dann wird sich nichts tun. Doch gibt es auch viele Menschen, die im Ausland – Spanien, Italien, Deutschland, England arbeiten und Geld ins Land bringen. Die bauen sich auch schöne neue Häuser und andere müssen da zusehen und gehen zugrunde, weil sie das nicht auch können. Es können ja nicht alle ins Ausland fahren um zu arbeiten.

Viele Ehen gehen wegen der Armut zugrunde. Viele Eltern lassen ihre Kinder bei den Großeltern oder Tanten und kommen dann nach sehr langer Zeit auf Besuch zu den eigenen Kindern. Viele von diesen Kindern werden krank- phsychisch. Die Landwirtschaft läuft ja irgendwie, wir haben aber wenig Absatz für unsere Waaren. Weil die Polen und die Ungarn ihre Kartoffeln und Früchte nicht mehr an Rußland verkaufen dürfen, bekamen sie Geld für den Verlust von der EU, aber ihre Kartoffeln und Früchte brachten sie nach Rumänien. So habe ich meine Kartoffeln wie kaum verkaufen können und habe aber nichts verdient. Was ich investiert habe, habe ich gewonnen, Profit Null. Einige verdienen sich noch Geld mit Holz aus den Wäldern, aber das dauert bestimmt nicht mehr lange, weil ja bald alle Wälder abgeholzt sind.
Zwei Kinder sind unlängst auf dem Weg in die Schule wegen Unterernährung umgefallen. Das habe ich nun im Fernsehen gesehen. Die kein Geld für Medikamente haben, sterben dann einfach. Ein junger Mann hatte einen Bruch und ist so herumgelaufen, als es dann immer ernster wurde, gab ich ihm 100 Euro für die Operation. Er hatte keine Arbeit und durfte nichts mehr heben. Wenn ich ihm das Geld nicht gegeben hätte, wäre er nie zur Operation angenommen worden, sondern hätte warten müssen bis ins Unendliche.